Das meint die Presse:

Stuttgarter Nachrichten

Ahlan wa sahlan beim freundlichen Herrn Chamun
Der Gruß Ahlan wa sahlan (Willkommen) kommt bei Toni Chamun in der Tat von Herzen. Wenn sich der zuvorkommende Syrer im Lob seiner Gäste sonnt - und das darf er oft -, legt er kurz die Hand aufs Herz. Eine kleine charmante Geste, die uns am Testabend im Mesopotamien immer wieder auffällt. Denn der Chef des Restaurants in Scharnhausen nimmt sich viel Zeit, erklärt Zutaten wie Zubereitungsart, um seine Gäste mit der orientalischen Küche vertraut zu machen.

Das ist umso bemerkenswerter, da Chamun nicht nur den Service versieht, sondern all die Köstlichkeiten auch selbst zubereitet, die er an den Tisch bringt. Der studierte Biochemiker versteht sich eben auf kluge Planung. Maximal 36 Gäste finden an den sechs Tischen im Mesopotamien Platz, die Menüs sind im Baukasten-Prinzip angelegt. Im Nu steht ein Teller mit Appetitbringern auf dem Tisch: Eine herrlich scharfe Paprikapaste, die rahmige Dips abmildern, ein Löffelchen köstlich marinierter Salat mit grünen Oliven, Karotten und Nüssen, ein ebensolcher mit Babyauberginen sowie feine schwarze Oliven, dazu hauchdünnes Fladenbrot. Das stellt uns erst einmal mehr als zufrieden - und gibt dem Koch Spielraum für die Zubereitung des Hauptgangs.

Hätten wir uns nur etwas zurückgehalten! Denn die Hauptgerichte, die uns Chamun wenig später mit strahlendem Lächeln serviert, sind großzügig, etwas zu großzügig bemessen. Ob das lockere Couscous mit Gemüse und Rindfleisch in würziger Soße, diese Kombination mit einem Hackfleischspieß oder gleich der Streifzug durch die orientalische Küche, der mesopotamische Spezialitätenteller: Alle Zutaten sind von erkennbar guter Qualität und individuell fein gewürzt. Die Säure des Zaziki arabischer Art, das köstliche Hummus und der mit Essigbaumgewürz abgeschmeckte Salat mildern die leichte Schärfe.

Jetzt auch noch Nachtisch? Wir lassen uns überreden, denn was wäre ein orientalisches Menü ohne süßen Abschluss! Und bereuen nichts, zumindest nicht an diesem Abend (die Waage wird später sicher Anlass dazu geben). So klein wie fein sind Baklava, Datteln und Sesamkekse, die wir auf den Rat des Hausherrn hin in den mit Kardamom gewürzten Mokka tunken.

Nein, weder am Service noch an den Speisen gibt es etwas zu mäkeln - und das zu konkurrenzlos günstigen Preisen (Menüs zwischen 11 und 13 Euro). Einzig das Ambiente könnte einen orientalischen Touch vertragen. Vielleicht Teppiche auf dem Steinfußboden? Darauf werden wir Herrn Chamun ansprechen, wenn wir das nächste Mal bei ihm zu Gast sind. Vielleicht aber sitzen wir mit dieser Idee nur einem Klischee auf, und das Mesopotamien ist so, wie es ist, ein echtes orientalisches Restaurant. Und ein sehr gutes dazu.

Bewertung
Preis-Leistungs-Verhältnis: Konkurrenzlos günstig
Atmosphäre: Schlichtes Ambiente, herzlicher Ton
Küche: Streifzug durch den Orient



Stuttgarter Zeitung

Orientalische Geheimnisse

Stuttgart - Toni Chamun ist einer für alles: fürs Kochen, Bewirten, Abwaschen, Putzen und auf Anfrage auch fürs Catering. Schon als Tübinger Student beglückte er Kommilitonen mit Spezialitäten aus seiner Heimat Syrien und war als kochender Biochemiker stadtbekannt. Zum Glück hat er sich am Ende für die Küche statt fürs Labor entschieden und im Januar dieses Jahres sein erstes eigenes Restaurant, das Mesopotamien, eröffnet.

Das Lokal liegt mitten in einem Wohngebiet in Ostfildern-Scharnhausen. Oben wohnt Chamun mit seiner Familie, im Erdgeschoss bewirtet er die Gäste an sechs Tischen. Eine durchaus eigenwillige Lage für ein Restaurant. Wir blicken auf Parkplätze und Wohnhäuser. Irgendwann soll vor dem Restaurant eine Terrasse entstehen, auf die wir uns jetzt schon freuen.

Inneneinrichtung aus Handarbeit
Ungewöhnlich ist auch die Inneneinrichtung: Die Tische haben Beine aus Baumstämmen, und auch die fellbezogenen Sitzhocker sind in Handarbeit gefertigt. Toni Chamun wollte die Stühle ebenfalls aus Birkenholz herstellen. Doch der Prototyp erwies sich als nicht alltagstauglich: Ein älterer Herr aus der Nachbarschaft, der als Versuchsperson eingeladen wurde, konnte das 80-Kilogramm-Monstrum schlicht nicht bewegen. Deshalb sitzen wir jetzt auf Korbstühlen statt auf einem Thron.

Wer die orientalische Küche in all ihren Facetten kennenlernen möchte, bestellt den mesopotamischen Spezialitätenteller. Zwölf Euro kostet das dreigängige Menü, in dieser Qualität in der Stuttgarter Innenstadt unvorstellbar. Oliven, Paprikacreme und Miniauberginen mit Nüssen werden zu dünnem Fladenbrot serviert. Besonders raffiniert ist der eingelegte Olivensalat mit Karotten und Apfelsinenschalen, ein Hochgenuss der Ziegenrahmkäse. Toni Chamun bezieht ihn über seine rumänischen Schwiegereltern. Ebenso übrigens den Büffelkäse, mit dem die knusprig-frischen Zigarrenröllchen gefüllt sind.

Überraschungen im Hauptmenü
Das Hauptmenü hat neben diesen köstlichen Röllchen noch ein paar weitere Überraschungen zu bieten. Das Hummus zergeht auf der Zunge. Ich verwende viel Sesamöl, lautet Chamuns Geheimnis. Wir denken lieber nicht an die Kalorien und schlemmen fröhlich weiter. Ein bisschen Auberginenpüree, ein gefülltes Weinblatt, eingetunkt in Tsatsiki - und wie herrlich schmeckt der Salat mit den Schafskäse-streifen! Selbst der Couscous, sonst nicht gerade unser Leibgericht, schmeckt vorzüglich zu dem würzigen Hähnchenspieß.

Am Ende sind wir so satt, dass wir seufzend auf den Nachtisch blicken. Wer kann schon bei Sesamkeksen, Datteln und drei Sorten Baklava widerstehen? Toni Chamun kauft die Honigsüßspeise bei einem Großhändler im Libanon. Die Qualität stimmt - rundum zufrieden ist der Hausherr dennoch nicht. Hätte er ein größeres Restaurant, er würde jeden Tag große Platten mit Baklava aus dem Ofen ziehen. Schließlich war sein Vater Konditor - und der kellnernde Koch würde sich durchaus zutrauen, auch diesen Job noch nebenbei zu bewältigen.

Bewertung
Küche
Service
Ambiente


Prinz

Das Mesopotamien ist besonders. Denn Toni Chamun will mehr Gastgeber sein, als in der Küche stehen. Er will mit seinen Gästen kommunizieren. Wer bei ihm einkehrt, muss sich darauf einlassen können: auf die Lage und das grandiose Essen. Mitten im Wohngebiet, im Erdgeschoss des Hauses, wo Chamun mit seiner Familie lebt, beginnt dann der Kulinarikausflug. Die Beine seiner Tische sind aus Baumstämmen und am Raumende ist das Büfett aufgebaut. Dieses bietet den Gästen festgerollte Weinblätter, Tsatsiki mit Sesamöl, Zigarrenrollen und süßen Baklava mit Datteln zum Dessert. Einmalig.
Prinz-Wertung: